„Wer kein Ziel hat, verliert sich im Nebel. Mein Wahlprogramm: Damit Politik in Neuburg wieder messbar wird.“
Das geplante Wasserwerk Scheuereck für 13 Millionen Euro basiert auf einem technisch starren Konzept, das trotz unsicherer Fördermengen in Fürstenzell und ohne transparente Prüfung von Alternativen stur umgesetzt wird. Dieser Kurs der Zentralisierung zerstört die bestehende modulare Struktur der Wasserversorgung und führt zu massiven finanziellen Risiken. Die langfristige Gebührenbelastung müssen wir in Neuburg zu 30 % mitfinanzieren. Als zukünftiger Bürgermeister fordere ich eine öffentliche und ehrliche Aufarbeitung dieser Strategie, um die Versorgungssicherheit und soziale Fairness für unsere Bürger sicherzustellen.
Quelle: Büro für Geologie Bertlein GmbH, Kirchdorf am Inn, 12.06.2013
Ein Wasserwerk ist die zentrale technische Anlage eines Wasserversorgers. Hier wird Rohwasser so aufbereitet, dass es dauerhaft den Anforderungen der Trinkwasserverordnung entspricht.
Technisch besteht ein Wasserwerk aus klar strukturierten Funktionsblöcken:
Rohwassergewinnung (Brunnen, Quellen, Pumpen)
Belüftung und Oxidation (Eisen- und Manganentfernung)
Filtration (Sand-, Mehrschicht- oder Aktivkohlefilter)
Chemische Stabilisierung (pH-Anpassung)
Hygienesicherung (z. B. UV oder dosierte Desinfektion)
Speicherung (Reinwasser- oder Hochbehälter)
Druckhaltung und Netzeinspeisung
Mess-, Steuer- und Regeltechnik (EMSR)
Wichtig ist dabei:
Ein Wasserwerk ist keine „mystische Großanlage“, sondern eine technisch nachvollziehbare Prozesskette. Die Verfahren sind seit Jahrzehnten etabliert und standardisiert. Im Bereich des Zweckverbandes sprechen wir von rund 750.000 m³ Jahresabgabe. Das entspricht etwa 2.100 m³ pro Tag im Jahresmittel – dimensioniert wird jedoch auf Spitzenlasten.Ein Wasserwerk muss angemessen dimensioniert sein. Nicht maximal. Nicht symbolisch groß. Sondern technisch sinnvoll.
Das geplante Wasserwerk Scheuereck wird nach bisherigen Aussagen technisch auf die Rohwasserqualität des Brunnens 5 in Fürstenzell ausgelegt.
Das bedeutet:
Die Filterstufen
Die Belüftung
Die Desinfektionsstrategie
Die gesamte Prozesskette
orientieren sich an genau diesem Rohwasserprofil.
Gleichzeitig wird öffentlich erklärt, dass die langfristige Ergiebigkeit der Fördermengen in Fürstenzell unsicher sei.
Hier entsteht ein strategischer Widerspruch: Man investiert rund 13 Millionen Euro in eine Anlage, die technisch auf eine bestimmte Rohwasserbasis optimiert ist, deren langfristige Stabilität selbst als fraglich beschrieben wird. Ein Wasserwerk ist keine universelle Maschine. Es ist immer auf konkrete Wasserparameter zugeschnitten. Wenn sich diese Parameter ändern, entstehen Umbaukosten. Und diese tragen die Gebührenzahler.
Der Zweckverband verfügt seit seiner Gründung bis heute über mehrere technisch funktionierende Standorte, die miteinander vernetzt sind:
Wasserwerk Kemating
Wasserwerk Aivogel (Fürstenzell)
Wasserwerk Neukirchen
Diese Struktur ist modular aufgebaut. Das bedeutet:
Mehrere Gewinnungsgebiete
Mehrere Aufbereitungsstandorte
Mehrere Speicher
Versorgungszonen mit eigener Druckstruktur
Eine solche modulare Struktur bietet erhebliche Vorteile:
Redundanz bei Ausfällen
Risikostreuung bei Rohwasserproblemen
geringere systemische Störanfälligkeit
flexible Anpassbarkeit
geringere Abhängigkeit von einer zentralen Großanlage
Es ist völlig unklar, warum diese Struktur zugunsten einer offensichtlich stärker zentralisierten Lösung aufgegeben oder geschwächt werden soll.
Zentralisierung bedeutet:
Konzentration von Risiko
hohe Fixkosten
starke Kreditbindung
größere systemische Abhängigkeit
Modularität bedeutet:
technische Widerstandsfähigkeit
schrittweise Investitionen
kontrollierbares Kostenwachstum
einfache Schnittstellen zu benachbarten Versorgern
Die Grundsatzentscheidung, von dieser modularen Struktur abzurücken und eine Zentralisierung anzustreben, wurde nie transparent erklärt.
Das Investitionsvolumen:
ca. 13 Mio. € Wasserwerk Scheuereck
über 4 Mio. € Leitungsersatz in Fürstenzell
Gesamtvolumen über 17 Mio. €
Die Maßnahmen sind kreditfinanziert.
Das führt zu:
Zinsbelastungen
Tilgungsdruck
steigenden Abschreibungen
steigenden Fixkosten pro Kubikmeter
Neuburg trägt rund 30 % dieser Investitionen.
Das bedeutet:
Mehrere Millionen Euro langfristige Belastung für Bürger und Betriebe in Neuburg.
Ein Wasserpreis von 4,50 € pro m³ ist bereits heute sozial problematisch.
Wenn weitere Kostensteigerungen folgen, stellt sich die Frage:
Wo liegt die Belastungsgrenze und wer entscheidet, was dann zu geschehen hat?
Bis heute ist nicht transparent dokumentiert:
Welche Alternativen geprüft wurden
Ob Wirtschaftlichkeitsvergleiche durchgeführt wurden
Welche Szenarien bei Fördermengenrückgang berechnet wurden
Ob ein unabhängiges Gutachten zur Gesamtstrategie existiert
Warum vollständiger Ersatz von Wasserleitungen im Stadtgebiet Fürstenzell alternativlos sein soll
Genehmigt bedeutet nicht automatisch wirtschaftlich sinnvoll.
Vergaben beenden keine Verantwortung. Sie verschärfen sie.
Die Perspektive eines zukünftigen Bürgermeisters
Als zukünftiger Bürgermeister werde ich diese Fragen stellen.
Nicht aus politischer Lust.
Nicht aus Konfrontation.
Sondern weil es Kernaufgabe eines Bürgermeisters ist,
wirtschaftliche Risiken zu prüfen
soziale Gerechtigkeit zu wahren
Gebührenentwicklung kritisch zu hinterfragen
Investitionsstrategien transparent zu machen
strukturelle Alternativen einzufordern
Es geht hier nicht um ein Bauwerk.
Es geht um die strategische Ausrichtung der gesamten Wasserversorgung.
Es geht um:
Versorgungssicherheit
finanzielle Stabilität
soziale Fairness
langfristige Handlungsfähigkeit der Gemeinden
Eine zentralisierte Großlösung darf nicht alternativlos dargestellt werden, wenn eine modulare, resilient aufgebaute Struktur vorhanden ist.
Diese Fragen gehören auf den Tisch.
Und sie werden gestellt.
Ausblick
Im nächsten Beitrag wird die bilanzielle Situation des Zweckverbandes analysiert.
Erst im Zusammenspiel von Technik und Finanzstruktur wird sichtbar, welches Risiko diese Investitionen tatsächlich bedeuten.
Denn am Ende stellt sich eine einfache Frage:
Wer trägt die Verantwortung – und wer trägt die Last?