„Wer kein Ziel hat, verliert sich im Nebel. Mein Wahlprogramm: Damit Politik in Neuburg wieder messbar wird.“
Rund 20 Millionen Euro werden investiert.
Aber eine Schule ist für mich weit mehr als ein Gebäude.
Sie ist:
Identitätsort
sozialer Treffpunkt
kulturelles Zentrum
verbindendes Element einer Gemeinde
Gerade in einer Gemeinde wie Neuburg am Inn, die aus mehreren Ortsteilen besteht und historisch gewachsene Schulstandorte hatte, kommt diesem Bau eine außergewöhnliche Bedeutung zu. Und genau dieser Aspekt wurde im gesamten Planungs- und Wettbewerbsverfahren aus meiner Sicht nicht berücksichtigt.
Das lässt sich aus dem offiziellen Protokoll des Preisgerichts zum Architekten-Wettbewerb klar herauslesen.
Über Jahre wurde diskutiert:
Sanierung beider Schulen
Erhalt der Schulstandorte
Zusammenlegung
Standortfrage
Am Ende wurde die 160 Jahre alte Schule in Dommelstadl geschlossen. Für viele Bürgerinnen und Bürger war das kein Verwaltungsakt – sondern ein emotionaler Einschnitt. Ein Verlust von Identität.
Ich bin überzeugt: Diese Wunde hätte der Neubau heilen können. Wenn man die neue Schule bewusst als verbindenden Ort für alle Ortsteile geplant hätte.
Genau das ist aus meiner Sicht nicht geschehen.
Das Preisgericht bewertete die Entwürfe nach drei Kriterien:
Städtebau und Einfügung
Pädagogische Organisation („Lernlandschaften“)
Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit
soziale Funktion der Schule für die Gemeinde
kulturelle Bedeutung
öffentliche Nutzbarkeit
Identitätsstiftung
Rolle als Treffpunkt für alle Ortsteile
Frage, wie dieser Ort die Gemeinde zusammenführt
Diese Punkte werden an keiner Stelle thematisiert. Die Schule wird ausschließlich als pädagogisches Gebäude betrachtet – nicht als Herz einer Gemeinde.
Im Protokoll steht ausdrücklich zum Siegerentwurf:
„Die Zweigeschossigkeit hat eine überdurchschnittliche überbaute Fläche zur Folge.“
Das bedeutet:
großer Flächenverbrauch
mehr Erdarbeiten
mehr versiegelte Fläche
größere Außenerschließung
Nicht diskutiert wurde:
dass ein nutzbares Dachgeschoss bei Satteldach die Grundfläche deutlich reduzieren könnte
dass dadurch Bau- und Betriebskosten sinken
dass das Grundstück effizienter genutzt wird.
Die Wirtschaftlichkeit wurde stark vereinfacht über Schlagworte wie „kompakt“, „Holzbau“, „PV“ bewertet – nicht über reale Flächeneffizienz.
Sehr viele Entwürfe wurden ausgeschlossen, weil sie den „Funktionsplan Lernlandschaften“ nicht idealtypisch umsetzten.
Der Sieger tut das nahezu perfekt.
Aber ich finde: Es wurde nicht gefragt,
wie Veranstaltungen für die Gemeinde stattfinden können
wie Vereine die Räume nutzen können
wie Schulbetrieb und öffentliche Nutzung trennbar sind
wie dieser Bau als kultureller Mittelpunkt funktionieren kann
Diese Fragen tauchen im gesamten Verfahren nicht auf.
Die Einfügung ins Ortsbild wurde rein architektonisch bewertet
Die Jury achtete sehr stark auf:
Zweigeschossigkeit
Dachformen
Maßstäblichkeit
ländliche Anmutung
Aber nicht auf die entscheidende Frage:
Passt dieses Gebäude als neuer Mittelpunkt wirklich in den gewachsenen Ortskern – auch funktional, sozial und räumlich?
Ein Gebäude kann formal „maßstäblich“ sein und trotzdem keinen Ort bilden.
Zum Siegerentwurf steht:
„versäumt es, einen für die Schul- und Ortsgemeinschaft vielfach nutzbaren innerörtlichen Freiraum zu gestalten, sondern legt diesen als Streuobstwiese an“
Das ist der einzige Hinweis im gesamten Verfahren auf die soziale Rolle der Schule.
Und dieser Punkt hatte keine Auswirkung auf die Bewertung. Dabei ist genau das aus meiner Sicht der Kern des Problems.
Was hier eigentlich hätte passieren müssen
Nach der Schließung eines historischen Schulstandortes hätte der Neubau:
ein Ort für alle Ortsteile werden müssen
ein Treffpunkt für Vereine und Bürger
ein kultureller Veranstaltungsort
ein Platz, an dem die Gemeinde zusammenwächst
ein bewusst gestalteter Dorfmittelpunkt
Diese Chance wurde nicht genutzt, weil sie im Bewertungsverfahren gar nicht vorkam.
Es geht mir nicht darum, einen Architekturwettbewerb schlechtzureden.