„Wer kein Ziel hat, verliert sich im Nebel. Mein Wahlprogramm: Damit Politik in Neuburg wieder messbar wird.“
Dies ist eine Bestandsaufnahme 2025 zumThema Ortsumfahrung
Die Verkehrsbelastung in den Ortsteilen Neuburg und Dommelstadl ist seit Jahrzehnten ein zentrales Thema der Kommunalpolitik. Aktuell stehen sich verschiedene Lösungsansätze und Interessengruppen gegenüber.
Die derzeitige Belastung der Staatsstraße führt zu einem Spannungsfeld zwischen Lebensqualität und Infrastruktur:
Verkehrsaufkommen: Täglich passieren über 8.000 Fahrzeuge die Orte, darunter bis zu 1.000 LKWs.
Sicherheitsbedenken: Besonders im Bereich von Schule und Kindergarten wird die Aufhebung von Geschwindigkeitsbegrenzungen kritisch gesehen.
Infrastruktur: Die geplante Sanierung der Staatsstraße und die Brückenerneuerung könnten die Durchflussgeschwindigkeit erhöhen, was die Belastung für Anwohner potenziell verschärft.
Die Diskussion um eine Umgehungsstraße ist von einem Dilemma zwischen Anwohnerschutz und Naturschutz geprägt.
Gesundheitsschutz: Reduzierung von Lärm, Abgasen und Erschütterungen für die direkten Anwohner.
Ortskernentwicklung: Eine Umfahrung würde Raum für eine Verkehrsberuhigung und eine attraktivere Gestaltung des Dorfzentrums schaffen.
Verkehrssicherheit: Erhöhung der Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer durch Trennung vom Schwerlastverkehr.
Naturschutz: Die Trasse würde durch ökologisch sensible Gebiete wie den Neuburger Wald (Bannwald) und Biotope führen.
Wirtschaftliche Folgen: Sorge lokaler Gewerbetreibender vor Umsatzrückgängen durch wegfallenden Durchgangsverkehr.
Betroffene Eigentümer: Über 35 Grundstücke wären direkt von der Trasse betroffen, was Wertverluste oder Enteignungen bedeuten könnte.
Realisierungszeitraum: Die Bauzeit wird auf 10 bis 15 Jahre geschätzt, was keine kurzfristige Hilfe bietet.
Im Rahmen eines sachlichen Austauschs nahmen Vertreter verschiedener Fraktionen und Initiativen Stellung (die CSU war intern uneinig und nahm nicht teil):
Ursula Raida (Freie Wähler): Sieht die Notwendigkeit der Entlastung, verweist aber auf die schwierige Umsetzung durch Naturgebiete. Sie fordert ein LKW-Durchfahrtsverbot als Alternative.
Peter Prinz-Hufnagel (ÖDP): Fordert ein umfassendes Verkehrskonzept. Schwerlastverkehr über 7,5 Tonnen sollte auf die A3 verlagert werden. Er lehnt die aktuelle Trassenführung ab.
Dr. Joachim Eder (SPD): Befürwortet die Umgehung mit Priorität auf den Schutz der Menschen vor Lärm und Schadstoffen, plädiert aber für die umweltfreundlichste Variante.
Alois Meier (Bürgerliste): Sieht die Umgehung als Fernziel, möchte aber kurzfristig die Ortsdurchfahrt für LKWs so unattraktiv wie möglich gestalten.
Eike Hallitzky (Die Grünen): Lehnt die Umgehung strikt ab. Er befürchtet eine Zunahme des Verkehrs durch die A94 und setzt stattdessen auf bauliche Maßnahmen und die Nutzung der Autobahn als bestehende Umgehung.
Eva Nistler (Bürgerinitiative Verkehr): Kämpft für eine großräumige Lösung, um die Gesundheit der Bürger zu schützen. Sie warnt davor, dass eine bloße Ertüchtigung der Staatsstraße den LKW-Verkehr weiter anzieht.
Christoph Part (Betroffener Anwohner): Berichtet von erheblichem Widerstand der Grundstückseigentümer und warnt vor der Zerstörung von Naherholungsgebieten und Klimaschutzwald.
Die Planung einer Umgehung reicht bis ins Jahr 1979 zurück. Damals galt das Projekt als fast sicher, wurde jedoch nach Fertigstellung der Autobahn A3 (1983) und auf Druck lokaler Gewerbetreibender nicht weiterverfolgt.
Aktuelle Positionen der Gemeinde und Behörden:
Bürgermeister Wolfgang Lindmeier: Erachtet eine Umfahrung aufgrund der strengen Naturschutzauflagen im Bannwald als derzeit kaum genehmigungsfähig. Als alternative Vision brachte er eine Tunnel-Lösung ins Gespräch.
Status im Ausbauplan: Das Projekt ist im 7. Ausbauplan für Staatsstraßen als Reserve (R1) eingestuft, wird aber ohne kommunales Votum nicht aktiv verfolgt.
Finanzierung: Angesichts knapper Staatskassen wird die finanzielle Realisierbarkeit eines solchen Großprojekts derzeit als gering eingeschätzt.