„Wer kein Ziel hat, verliert sich im Nebel. Mein Wahlprogramm: Damit Politik in Neuburg wieder messbar wird.“
Ich bin in Ansbach geboren und bis zu meinem 20. Lebensjahr im nur acht Kilometer entfernten Burgoberbach aufgewachsen. Da mein Vater Schulleiter war, habe ich zusammen mit meinen drei Geschwistern direkt im Schulhaus gewohnt. In unserem Ort gab es damals vor allem kirchliche Jugendarbeit und Sportvereine – ich war bei beidem aktiv. Ob beim Fußball, als Gründer einer eigenen Jugendgruppe oder später als Bezirksvorsitzender der CAJ und Vorstandsmitglied im Kreisjugendring: Engagement gehörte für mich schon immer dazu.
Meine Jugend war auch eine Zeit der Freiheit. Mit dem Moped und Freunden erkundeten wir die Gegend, unternahmen sogar Höhlenexpeditionen. Mit 17 begann für mich die Zeit des Trampens. Per Anhalter ging es durch ganz Deutschland, von Heidelberg bis Hannover, und weiter nach Amsterdam, Venedig bis hoch in die skandinavischen Länder. Man kam damals gut herum und hatte immer Freunde an seiner Seite.
Nach dem Abitur leistete ich 14 Monate Zivildienst in einem Altenheim in der Oberpfalz. Rückblickend war das eine der schönsten Zeiten meines Lebens: Endlich unabhängig von den Eltern, ein eigenes Einkommen, Kartenspielen (Schafkopf und Watten), Discos und Sport. Auch dort engagierte ich mich und organisierte unter anderem ein Zeltlager für Jugendliche.
Doch der Zivildienst öffnete mir auch die Augen für eine völlig neue Welt: die der Pflege. Ich lernte Krankheit, Leid und Sterbebegleitung kennen, aber auch tiefe Freundschaften, wie zu einem über 60-jährigen Mann mit Muskelschwund. Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, dass beides zum Leben gehört: Das Leid, in dem man anderen beistehen kann, und die Freude am gemeinsamen Leben. Diese Erkenntnisse prägen mich bis heute und ich möchte sie aktiv einbringen.
Nach meiner prägenden Zeit im Zivildienst entschied ich mich für das Theologiestudium und den Eintritt ins Priesterseminar in Eichstätt. Sicher spielte dabei auch meine kirchliche Sozialisierung eine Rolle – mein Vater war Chorleiter und Dirigent –, aber der entscheidende Anstoß kam durch einen Kaplan während meiner Zivildienstzeit. Die ersten Jahre im Seminar lebte ich Tür an Tür mit späteren Entscheidungsträgern der Kirche und übernahm als Haussenior früh Verantwortung.
Ein Wendepunkt war mein Auslandsjahr in Innsbruck. Dort eröffnete sich mir eine neue Welt, besonders durch das zusätzliche Studium der Pastoralpsychologie. Ich lernte, mich nicht nur mit Theologie, sondern auch mit mir selbst, meinen Stärken und meinen Schwächen auseinanderzusetzen.
Besonders wichtig war für mich die praktische Arbeit: Neben dem Studium arbeitete ich als Präfekt in einem Knabenseminar. Mein Alltag reichte von halb sieben morgens bis zehn Uhr abends – eine intensive Zeit der Begleitung von Jugendlichen. Ob im Alltag oder bei gemeinsamen Reisen nach Assisi und an den Balaton: Es ging immer darum, Gemeinschaft zu fördern. Diese Mischung aus sozialer Verantwortung und psychologischer Schulung ist ein Fundament, auf das ich bis heute baue.
Abitur
Theologie mit Diplomabschluss in Eichstätt
Zweijähriger Pastoralpsychologischer Hochschullehrgang in Innsbruck
Lizentiat des Kanonischen Rechts in München
Promotion zum Dr. theol. im Fach Kirchenrecht 1991 in Passau mit Ehrung durch den OBAG-Kulturpreis Ostbayern 1992
Vierjährige Ausbildung zum Ehe-, Familien- und Lebensberater
Begonnen habe ich als Pastoralassistent in St. Anton (Diözese Passau). Drei Jahre lang war ich in Schule und Gemeinde tätig – eine Zeit, in der ich auch eine Ausbildung zum Eheberater absolvierte. Ein schönes Detail am Rande: Mein damaliger Oberministrant war Stefan Seibold, der heute mein Pfarrer ist.
Es folgte ein Kirchenrechtsstudium in München und die Arbeit am bischöflichen Konsistorium sowie in der Eheberatung in Freyung. Doch bald öffnete sich eine neue Tür: Ich wurde zum Vorsitzenden der Mitarbeitervertretung gewählt – ein Amt, das ich 27 Jahre lang ausübte.
Mein beruflicher Schwerpunkt wurde die Tarifpolitik und das Arbeitsrecht. Als Vorsitzender von Tarifkommissionen auf Landes- und Bundesebene, Mitglied in Schlichtungsstellen und beisitzender Richter am kirchlichen Arbeitsgerichtshof ging es immer um eines: Lösungen für Menschen finden. Ich habe gelernt, dass der Kompromiss oft das wertvollste Ergebnis ist.
Zum Ende meiner Berufstätigkeit entschied ich mich bewusst für die Altersteilzeit, um meine Tochter, die eine Körperbehinderung hat, während ihres Studiums bestmöglich unterstützen zu können.
Heute möchte ich die Fähigkeiten, die ich in Jahrzehnten gelernt habe – Vermittlung, Verhandlung und Ausdauer – für unsere Gemeinde einbringen.
Pastoralreferent in der Diözese Passau (Gemeinde- und Schularbeit, Passau-St. Anton)
Tätigkeit in der kirchlichen Rechtsabteilung (Bischöfliches Konsistorium Passau)
Eheberatung, Außenstelle Freyung
Mitglied der Mitarbeitervertretung (kirchlicher Personalrat)
Vorsitzender der Mitarbeitervertretung (27 Jahre)
Vorsitzender kirchlicher Tarifkommissionen auf bayerischer und Bundesebene
Vertretung in Schlichtungsstellen
Beisitzender Richter am Kirchlichen Arbeitsgerichtshof (Bonn, 10 Jahre)
Schwerpunkte: Arbeits- und Kirchenrecht, Tarifarbeit, Verhandlungsführung, Konfliktlösung
Referent und Schulungsleiter für kirchliche Personalräte und Tarifkommissionen
Mitarbeit in Einigungs- und Vermittlungsverfahren
Vertretung vor kirchlichen Arbeitsgerichten und Schlichtungsstellen
Vorsitzender tariflicher Vermittlungsstellen auf Bundes- und Diözesanebene
Externer Beisitzer im Vermittlungsausschuss der kirchlichen Tarifkommission Bayern
Beratung in kirchlichen Rechts- und Tariffragen
Mitglied der Vertreterversammlung der Pensionskasse der Caritas
Sprecher der Vertreterversammlung
Schwerpunkt: Moderation, Interessenausgleich, tragfähige Kompromisse
Ich habe mich über viele Jahre hinweg mit großer Überzeugung und persönlichem Einsatz im Gemeinderat von Neuburg am Inn engagiert. Diese Arbeit war für mich stets verbunden mit dem Anspruch, Verantwortung zu übernehmen, transparent zu handeln und die Interessen der Bürgerinnen und Bürger ernsthaft zu vertreten – auch dann, wenn dies unbequem war oder Mehrheiten fehlten.
Nach insgesamt 14 Jahren im Gemeinderat habe ich mein Mandat niedergelegt. Diese Entscheidung war weder leichtfertig noch unbegründet. Sie war das Ergebnis eines längeren inneren Abwägungsprozesses und Ausdruck meines Verständnisses von politischer Verantwortung.
Die Corona-Pandemie hat das Leben vieler Menschen grundlegend verändert – beruflich, familiär und persönlich. Auch für mich brachte diese Zeit tiefgreifende Umbrüche mit sich.
Als Freiberufler konnte ich meine beruflichen Verpflichtungen während der Pandemie nur sehr eingeschränkt wahrnehmen. Nach dem Ende der akuten Phase mussten zahlreiche ausgefallene Tätigkeiten nachgeholt werden, vielfach bundesweit und über längere Zeiträume hinweg. Parallel dazu entstanden erhebliche neue familiäre Verpflichtungen, denen ich mich aus moralischer Verantwortung nicht entziehen konnte.
Mir wurde sehr deutlich bewusst, dass ich in den folgenden Monaten einen Großteil der Gemeinderatssitzungen nicht würde wahrnehmen können. Damit stand ich vor einem ernsten Gewissenskonflikt: Entweder ein Mandat formal behalten, es aber faktisch nicht mehr verantwortungsvoll ausüben – oder den Platz freimachen für eine Nachfolgerin, die dieses Amt mit der notwendigen zeitlichen Präsenz wahrnehmen konnte.
Aus Respekt vor dem Gemeinderat und vor dem Vertrauen der Wählerinnen und Wähler habe ich mich für Letzteres entschieden.
Hinzu kam ein weiterer Punkt von großer persönlicher und politischer Bedeutung: der Entscheidungsprozess zur Schließung der alten Schule in Dommelstadl.
Alle meine Kinder waren Schüler dieser Schule, darunter auch eine Tochter mit Behinderung, die dort eine besondere Zuwendung und Unterstützung erfahren hat. Dafür empfindet meine Familie bis heute große Dankbarkeit. Entsprechend war meine Haltung in dieser Frage nicht nur rational, sondern auch emotional geprägt.
Der Entscheidungsprozess im Gemeinderat verlief aus meiner Sicht unzureichend strukturiert, ohne echte Einbindung aller Beteiligten und stark dominiert von den Mehrheitsfraktionen. Zu diesem Zeitpunkt war zudem nicht bekannt, dass die Schule aufgrund von Schimmelbefalls tatsächlich nicht mehr nutzbar war.
Als einzelnes SPD-Mitglied im Gemeinderat hatte ich faktisch kaum noch Einfluss auf wesentliche Entscheidungen. Besonders belastend war für mich, dass im Zusammenhang mit dem Schulprojekt rund 1.000 Unterschriften von Bürgerinnen und Bürgern aus dem gesamten Ort vorlagen, die nicht einmal ernsthaft beachtet und besprochen wurden. Trotz mehrfacher Bitten der Initiatoren kam es zu keinem echten Gespräch mit den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern.
Dieses Vorgehen widersprach meinem Verständnis von Demokratie, das auf Dialog, Beteiligung und ernsthaftem Abwägen der Bürgerinteressen beruht. Als einzelne Stimme im Gemeinderat hatte ich keine Möglichkeit, diese Situation zu verändern. Auch diese Erfahrung hat dazu beigetragen, meine Entscheidung zum Ausscheiden aus dem Gremium zu festigen.
Ich bin seit vielen Jahren Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Mein Eintritt in die SPD war eine bewusste Entscheidung aus Überzeugung. Die Werte Demokratie, Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit prägen mein politisches Denken und Handeln bis heute.
In Neuburg am Inn habe ich mich über viele Jahre hinweg engagiert in die Arbeit der SPD eingebracht – organisatorisch, inhaltlich und im direkten Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern. Mir ging es dabei nie um Parteitaktik, sondern darum, sozialdemokratische Grundwerte konkret vor Ort wirksam werden zu lassen: durch Zuhören, durch Vermitteln und durch sachorientierte Lösungen.
Gleichzeitig ist mir eines sehr wichtig: Ich trete nicht an, um ein Parteiprogramm schematisch umzusetzen. Meine Kandidatur für das Bürgermeisteramt ist keine parteipolitische, sondern eine bürgerorientierte Entscheidung. Ich bewerbe mich als Bürger dieser Gemeinde, der Verantwortung übernehmen will, nicht als Vertreter einer Partei, der Vorgaben ausführt.
Meine politische Haltung ist wertegebunden, aber mein Handeln ist dem Gemeinwohl verpflichtet.
Ich habe mein Gemeinderatsmandat nicht „hingeschmissen“ und mich nicht aus der Verantwortung zurückgezogen. Im Gegenteil: Ich habe mich bewusst dafür entschieden, Verantwortung nicht nur formal, sondern auch inhaltlich ernst zu nehmen.
Behauptungen, ich hätte meine Aufgaben ohne Begründung nicht mehr wahrgenommen, sind falsch. Gegen diese Darstellung wehre ich mich offen, sachlich und transparent.
Inzwischen haben sich meine beruflichen und familiären Rahmenbedingungen grundlegend stabilisiert. Ich bin gesundheitlich voll belastbar und bis zum heutigen Tag – inzwischen allerdings bewusst erheblich verringert - freiberuflich tätig.
Die Herausforderungen, vor denen Neuburg am Inn aktuell steht, sind erheblich: strukturelle Fragen, langfristige Entwicklungsentscheidungen, finanzielle Verantwortung und der Bedarf an einer verlässlichen, koordinierenden und durchsetzungsfähigen Verwaltungsführung.
Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, erneut Verantwortung zu übernehmen und für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren. Mein Alter ist dabei kein Hindernis, sondern eine Ressource: Erfahrung, Belastbarkeit und Unabhängigkeit.